Nichttragende Wände aus Lehmbaustoffen

Für den Bau von nichttragenden Wänden werden Lehmsteine, Lehmplatten und Lehmtrockenbauplatten, sowie Leichtlehm im feuchten Einbau verwendet. In einer nichttragenden Wand übernimmt ein separates Tragskelett aus anderen Baustoffen die Aufgabe Lasten aufzunehmen. Dies kann z.B. eine Holzständerkonstruktion sein, die im Neubau mit Lehmbaustoffen kombiniert wird, wie es auch im traditionellen Fachwerkbau üblich ist. Nichttragend sind Ausfachungen, Vorsatzschalen und Trennwände, sofern sie nicht Teil der Tragstruktur eines Gebäudes sind.

Für Innenwände gelten ähnliche Anforderungen wie für Außenwände. Die bauphysikalischen und ästhetischen Anforderungen ergeben sich hier aus ihrer jeweiligen Funktion. Werden Innenwände z.B. mit Lehmbaustoffen hoher Rohdichte ausgeführt, so haben sie eine zusätzliche positive Eigenschaft: Sie sind wärmespeichernd und regulieren damit zu starke Temperaturschwankungen im Innenraum.

Wichtig: Alle Wände aus Lehmbaustoffen müssen während der Bauzeit gegen die Witterung geschützt (abgedeckt) werden. Bei der Planung von Neubauten, in denen Lehmbaustoffe für den Außenwandbau zur Anwendung kommen, sollte im Gründungsbereich ein ausreichend hoher Sockel als Spritzwasserschutz von mindestens 50 cm Höhe über der Geländeoberkante vorgesehen werden. Dieser Sockel muss aus einem Material gebaut werden, das gegen Wasser unempfindlich ist. Zur Gründung hin ist die aufsteigende Wand aus Lehmbaustoffen mit einer horizontalen Sperre gegen aufsteigende Feuchtigkeit zu schützen.

Ausfachungen

Nichttragende Wände

Im Holzständer- oder Fachwerkbau bezeichnet man das Füllen der Felder (Gefache) zwischen den Ständern, Riegeln und Verstrebungen als „Ausfachung”. Es gibt dafür unterschiedliche Techniken. Eine der ältesten Techniken ist das Einbringen von Holzstaken mit Weidengeflecht in die Gefache. Die Hohlräume werden mit einem sogenannten beidseitigen Bewurf aus Strohlehm gefüllt. Dieses Verfahren findet heute nur noch im Sanierungsbereich Anwendung.

Gefache können auch mit gemauerten Lehmsteinen ausgefüllt werden, hierfür sind Lehmsteine der Anwendungsklassen Ia oder Ib gemäß DIN 18945-Lehmsteine einzusetzen , wenn das Mauerwerk einen bewitterten Außenputz tragen soll. Außerdem werden Gefache mit feuchtem Stroh-, bzw. Leichtlehm ausgefüllt. Dabei entstehende Schwindverformungen müssen durch Nachstopfen mit dem verwendeten Lehmbaustoff ausgeglichen werden. Werden Lehmsteine vermauert, können zwischen Holz und Lehmsteinmauerwerk Schwindfugen auftreten. Diese sind in der Regel auf Quellen und Schwinden des Holzes, bzw. des Lehmmauermörtels nicht jedoch der Lehmsteine zurückzuführen. Erst nach Austrocknung wirkt sich das Schwinden und Quellen der Holzkonstruktion auf die Vergrößerung-, bzw. Verkleinerung der Schwindfuge aus.

Leichtlehmausfachungen, die dem Regen ausgesetzt sind, sollte man mit 2-lagig aufgebrachtem Kalkmörtel verputzen. Die Haftung vom Putz auf dem Lehmsteinmauerwerk kann durch ein ca. 0,5 cm tiefes Auskratzen der Fugen verbessert werden. Bei sehr starker Bewitterung von Wänden mit Lehmausfachungen sollte ein zusätzlicher Putzträger auf dem Mauerwerk aufgebracht werden.

Wichtig: Bei allen Ausfachungen muss besonders darauf geachtet werden, dass die Füllungen stabil im Gefach sitzen und nach vollständiger Trocknung nicht wackeln. Vor allem bei der Sanierung historischer Ausfachungen und deren Verputz werden Erfahrung und Sachkenntnis vorausgesetzt.

Vorsatzschalen

Nichttragende Wände

Vorsatzschalen (oder auch Innenschalen genannt) kommen im Sanierungsbereich zur Verbesserung der Wärmedämmung, der Winddichtigkeit und des Schallschutzes für bestehende Außenwände mit geringen Wandstärken zur Anwendung. Häufig handelt es sich hierbei um Sichtfachwerk, bei dem eine Wärmedämmung von außen ausscheidet. Beim Holzständer- und Holzrahmenbau werden sie z.B. als wärmespeichernde Schalen eingesetzt.

Es gibt gemauerte Vorsatzschalen aus Lehmsteinmauerwerk, Vorsatzschalen aus Leichtlehm im feuchten Einbau, sowie Stapelschalen im trockenen Einbau. Außerdem können Lehmplatten und Lehmtrockenbauplatten im Leichtbau verwendet werden.

Vorsatzschalen aus Leichtlehmsteinen

Nichttragende Wände LR 4.3.3

Vorsatzschalen aus Leichtlehmsteinen
Vorsatzschalen aus Leichtlehmsteinen

Leichtlehmsteine können von innen direkt gegen die Außenwand vermauert werden. Dabei sollten keine unkontrollierbaren Hohlräume entstehen. Die Steine werden mit Abstand zur Außenwand vermauert. Den Zwischenraum hinterfüllt man mit Lehmmauermörtel. Für eine Wärmedämmung aus Leichtlehmsteinmauerwerk entscheidet man sich, wenn mit gängiger Handwerkstechnik gearbeitet werden soll, und wenn keine längeren Trockenzeiten erwünscht sind. Zur Erhöhung der Stabilität der Vorsatzschale während des Vermauerns können zusätzliche Verankerungen verwendet werden.

Wichtig: Sollen Vorsatzschalen eingebaut werden, sind gegebenenfalls besondere Gründungsmaßnahmen (statische, als auch gegen aufsteigende und stehende Feuchtigkeit) erforderlich.

Vorsatzschalen aus Leichtlehm im feuchten Einbau

Nichttragende Wände LR 4.3.4

Wärmedämmungen aus Leichtlehm im feuchten Einbau werden ausgeführt, wenn Vor- und Rücksprünge, Einbauten oder Installationen innerhalb der Vorsatzschale untergebracht werden sollen. Die Leichtlehm Fertigmischung wird wie Stampflehm feucht eingebracht. Zunächst wird eine Hilfskonstruktion aus Holzlatten an der Innenseite der Außenwand und zusätzlich an Decke und Fußboden befestigt. Sie ist gleichzeitig die Ebene für die Führung der Gleitschalung oder der Befestigung einer „verlorenen” (d.h. am Bauteil verbleibenden) Schalung aus Schilfrohrgewebe. Die Mischung wird in der Schalung so weit verdichtet, dass sie nach Austrocknung zu einem in sich stabilen und festen Bauteil wird. Hohlräume sind dabei zu vermeiden. Die nicht unerheblichen Trockenzeiten sind bei der Planung zu berücksichtigen.

Wichtig: Das schnelle Austrocknen des Leichtlehms darf nicht behindert werden. Das sollte schon bei der Planung der Schalenstärke, der Konstruktion und des Schalenmaterials berücksichtigt werden. Während der Trocknungszeit muß daher für dauerhaften Durchzug oder für eine künstliche Bautrocknung gesorgt werden.

Gestapelte Lehmwände

Nichttragende Wände LR 4.3.6

Bei dieser Technik werden Lehmsteine ohne Mörtel im Trockenverband gegen Teile einer bestehenden Wand gestapelt. Eine Technik, die leicht als Eigenleistung beim Neubau mit eingebracht werden kann.

Wichtig: Zur Stabilisierung der Stapelschichten gegen Abkippen werden horizontale Klemmlatten (ca. alle 50 cm Wandhöhe) in die Schale eingebaut.